6. KVJS-Fachtag "Querschnittsarbeit"

Heike Ewert, am Freitag, 15. Juli 2011

13.07.2011: Vernetzt im Cyberspace – in der rechtlichen Betreuung spielt das Internet zunehmend eine Rolle


Stuttgart. Knapp 100 Fachkräfte aus Betreuungsvereinen und -behörden diskutierten am 13. Juli 2011 beim sechsten KVJS-Fachtag „Querschnittsarbeit“ in Stuttgart die Chancen und Risiken von Netzwerken. Denn bei der rechtlichen Betreuung ist die Vernetzung von Betreuern, Behörden und Betreuten im Internet im Kommen. 

Die Fachleute aus dem Betreuungswesen waren sich zum Ende der Tagung einig: Virtuelle Netzwerke wie Facebook, Twitter, Xing oder Internet-Foren können eine wichtige Ergänzung zu den klassischen Netzwerken sein. Der Sozialarbeiter und Medienpädagoge Michael Weis informierte die Tagungsgäste über Chancen und Risiken der Cybernetze. Vorteile sind etwa der schnelle Austausch von Wissen oder die Möglichkeit, ein Problem zeitnah zu besprechen und zu lösen. Gefahren drohen durch mangelhafte Datensicherheit oder Mobbing. „Mit dem vermittelten Wissen möchten wir Fachleute unterstützen, sich in ihrem Bereich für oder gegen die Nutzung oder den verstärkten Einsatz des Internets zu entscheiden“, sagt Carola Dannecker, die stellvertretende Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS. Tatsache sei: Betreuerinnen und Betreuer hätten bereits begonnen, digitale Netze zu knüpfen. Insbesondere junge Haupt- und Ehrenamtliche zeigten sich offen für die neuen technischen Möglichkeiten.

Bereits am Vormittag referierte Sigrid Kallfass von der Hochschule Weingarten über den Aufbau klassischer Netzwerke und stellte den Tagungsgästen gelungene Beispiele vor. Denn Netzwerke, so die Professorin für Sozialwissenschaften, gehören in der sozialen Arbeit zum Standard. In der rechtlichen Betreuung von alten und behinderten Menschen in Baden-Württemberg sind sie besonders wichtig.

Netzwerke füllen Gesetz mit Leben


Das Gesetz verlangt, dass Vereine, Behörden und Gerichte bei Betreuungen effizient zusammenarbeiten. „Solche formalen Strukturen der rechtlichen Betreuung werden durch Netzwerkarbeit mit Leben gefüllt“, sagt die Organisatorin der KVJS-Tagung Sabine Weinbrenner. „Je besser die Zusammenarbeit vor Ort funktioniert, desto besser kann der Betreuungsauftrag zum Wohle der Betreuten umgesetzt werden.“ Die überörtliche Betreuungsbehörde beim KVJS unterstütze die Fachleute in den Stadt- und Landkreisen mit dem Fachtag bei ihrer Arbeit. Angedacht sei auch eine Fortbildung zu virtuellen Netzwerken. 

Um Skeptikern die Scheu vor virtuellen Welten zu nehmen, hat der KVJS ein passwortgeschütztes Forum im Internet eingerichtet. Die Tagungsgäste können dort einige Tage nach der Veranstaltung ihre Meinung zum Fachtag kundtun. Das ist neu, denn bisher schrieben die Teilnehmer ihre Eindrücke auf Kärtchen und hefteten sie mit Nadeln an Pinnwände. Vorteil des Internet-Forums: „Zum ersten Mal können die Teilnehmer nicht nur den Fachtag bewerten, sondern auch auf Kommentare anderer Tagungsgäste reagieren“, sagt Dannecker. 

Der Fachtag wurde veranstaltet von der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS, den Diözesanvereinen von SKM (katholischer Verein für soziale Dienste) und SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) in Freiburg, dem Diakonischen Werk Württemberg sowie der Interessengemeinschaft der Betreuungsvereine in Baden-Württemberg.

Information

Rund 108.000 Frauen und Männer können in Baden-Württemberg wegen Krankheit, Behinderung oder Altersdemenz ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Wer nicht von Angehörigen rechtlich betreut werden kann, für den bestellen die Gerichte haupt- oder ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer aus 70 anerkannten Betreuungsvereinen in Baden-Württemberg. Sie verwalten etwa das Einkommen und Vermögen der Betreuten oder treffen Entscheidungen bei medizinischen Maßnahmen.

 

Quelle: Pressemitteilung KVJS